Kantenfräse vs. Oberfräse – Vor- und Nachteile im Detail

Wer regelmäßig Holzarbeiten betreibt, stellt sich früher oder die später die Frage, ob und wenn ja welche Fräse für ihn das richtige Modell darstellen würde. Denn in der Industrie werden die meisten Holzarbeiten mit Fräsen erledigt. Unser Ratgeber auch für Heimwerker.

Tatsächlich ist der geübte Handwerker mit einer guten Fräse nicht nur in der Lage, sehr filigrane und detailgetreue Applikationen einzuarbeiten – mit einer Fräse können die verschiedensten Profile und Verzierungen gefertigt werden, wie von Bautomatik getestete Fräsmaschinen gezeigt haben. Dabei stellt sich natürlich immer die Frage, welche Fräse für den eigenen Bedarf die Passende ist.

Wir haben in der Folge einmal zwei Fräsentypen genauer unter die Lupe genommen und zeigen Ihnen, welche dieser beiden Varianten für Sie die beste Wahl ist. Die Oberfräse und die Kantenfräse unterscheiden sich dabei nicht nur von der Optik und dem Namen – die gesamte Art der Anwendung ist verschieden. Wer zum ersten Mal mit einer Fräse arbeiten möchte, sollte dabei auf jeden Fall vorher einen genauen Blick auf den Aufbau und die Funktion einer solchen werfen. Und dies bei der Planung und Einrichtung seiner Werkstatt daheim berücksichtigen.

Was ist eine Oberfräse?

Als Oberfräse wird ein elektronisches Gerät zur spanenden Holzverarbeitung bezeichnet, mit dem das Werkstück in der Regel von oben bearbeitet wird. Dabei kann die Oberfräse freihändig geführt werden, aber auch an einem Werktisch oder Frästisch befestigt, sodass die Fräse einen stabilen Stand hat und das Werkstück an der Fräse entlanggeführt wird. Auch wenn die Modelle verschiedener Hersteller zum Teil unterschiedlich aussehen, verfügen sie doch in der Regel immer über die folgenden Bestandteile:

–        Den Elektromotor

Der Motor der Fräse leistet im Durchschnitt rund 1.400 Watt. Im Heimwerkerbereich sind auch bereits leichtere Fräsen mit einer Motorleistung von rund 900 Watt erhältlich. Für gelegentliche einfache Holzarbeiten reichen diese mit Sicherheit vollkommen aus. Wichtig ist, dass der Motor in der Lage ist, die für Fräsen typische hohe Drehzahl zu erreichen. Diese sollte stets zwischen 10.000 und 25.000 Drehungen pro Minute liegen.

–        Die Drehzahlvorwahl

Hier kann zwar eine Einstellung erfolgen, die dann im laufenden Arbeitsprozess elektronisch umgesetzt wird. So wird die Motorleistung unter Belastung des Fräskopfes jeweils an die eingegebene Drehzahl angepasst. Das führt zu einer konstanten Umdrehungszahl und somit zu optisch einheitlichen Ergebnissen – vor allem, wenn an einem größeren Werkstück gearbeitet wird.

–        Die Tauchsäulen

Der Fräskopf mit Motor darüber ist hier verankert und kann an den beiden aufrechtstehenden Tauchsäulen entlang nach unten und oben geführt werden. So bekommt der Handwerker die Möglichkeit, den Fräskopf stets grade von oben nach unten gleiten zu lassen.

–        Der Entriegelungsknauf

Mit diesem wird der Motor mit dem Fräskopf in einer Position verankert. Ist der Knauf gelöst, kann der Fräskopf vom Nutzer an den Tauchsäulen entlang hoch und runter bewegt werden. Der Knauf dient sowohl der Sicherung des Fräskopfes, wenn das Gerät ruht, als auch der festen Justierung, wenn der Fräskopf in einer gleichbleibenden Höhe über ein Werkstück entlangfahren soll.

–        Hauptschalter und Dauerschaltung

Die Fräse startet, wenn der Hauptschalter entsprechend betätigt wird. Diesen können Sie für die laufende Arbeit aber auch durch die Dauerschaltung festsetzen. So müssen Sie den Hauptschalter nicht durchgehend gedrückt halten. Das erhöht natürlich das Handling und macht das Arbeiten einfacher. Unter Sicherheitsaspekten sollte allerdings nur der Hobbyhandwerker mit der Dauerschaltung arbeiten, der bereits erste Erfahrungen mit dem Fräsen gemacht hat, da hier das Unfallrisiko natürlich deutlich höher liegt als bei einer Nutzung mit gerückt gehaltenem Hauptschalter.

–        Die Absaugung

Die meisten Modelle verfügen über eine Absaugung, durch die Späne und Staub via Unterdruck abgesaugt werden. Günstigere Modelle haben keine solche Vorrichtung. Ohne sollte allerdings auf die Arbeit an größeren Werkstücken bzw. auf die Herstellung größerer Fräsarbeiten verzichtet werden, da mit dem Fräsen ein erheblicher Spanabtrag verbunden ist. Die Staub- und Spanbelastung der Luft im Raum und der Oberflächen rundherum ist ohne eine Absaugung sehr hoch. Hier ist grundsätzlich das Arbeiten mit einer Atemschutzmaske zu empfehlen.

–        Der Tiefenanschlag

Hier wird eingestellt, an welcher Stelle der Fräskopf an den beiden Tauchsäulen für die Arbeit fest ausjustiert werden soll. Der obere Tiefenanschlag ist in der Feinjustierung auf bis zu 0,1 mm genau. Zwischen dem oberen und dem unteren Anschlag kann die Fräse anschließend bei der Arbeit an den Tauchsäulen entlanggeführt werden.

–        Kanäle für Führungsschienen

Im Boden der Oberfräse finden sich zwei Kanäle, in die Führungsschienen eingeführt werden können. Auf diesen Führungsschienen können schmale Werkstücke an der Fräse entlanggeführt werden, was die Arbeit deutlich vereinfacht.

–        Die Grundplatte mit Boden

Sie sichert die lotrechte Position des Fräsers und ermöglicht ein leichtgängiges Verschieben des Handwerkzeuges auf dem Werkstück. Dabei kann der Boden je nach zu behandelndem Werkstoff ausgetauscht werden. So wird eine höchstmögliche Leichtgängigkeit auch auf unterschiedlichen Werkstoffen erzeugt.

Für die Oberfräse gibt es bis zu 19 verschiedene Aufsätze, die jeweils ein anderes Profil im Werkstück erzeugen. Eine Oberfräse wird dabei genutzt, um Nuten einzufräsen, um Werkstücke zu fasen oder um Profile zu erstellen. So werden beispielsweise Verleimprofile in einzelne Bestandteile von Möbelstücken eingefräst.

Die Oberfräse kann dabei sowohl freihändig über das Werkstück geführt als auch in einem Frästisch fest justiert werden. Wenn die Oberfräse fest eingesetzt wird, erfolgt dies meist über Kopf in einen Frästisch mit runder Öffnung. In diesem Fall kommt der Fräskopf von unten an das Werkstück, während der Nutzer das Werkstück auf dem Frästisch entsprechend am Fräskopf entlangführt.

Vorteile hat die Oberfräse sicherlich in ihrer sehr vielseitigen Nutzbarkeit. Denn mit diesem Werkzeug können die unterschiedlichsten Fräsarbeiten durchgeführt werden. Je nach Größe und Gewicht der Oberfräse kann die Arbeit auch freihändig durchgeführt werden. Hierzu ist allerdings einige Übung des Handwerkers erforderlich, um eine saubere und gerade Arbeit zu erreichen. Dank entsprechenden Zubehörs wie einer Spannzange kann das Werkstück aber auch in die Fräse eingespannt werden, sodass der Nutzer hier nur noch auf eine gleichmäßige Tauchtiefe und einen guten Druck achten muss.

Was ist eine Kantenfräse?

Die Kantenfräse ist in ihrer Nutzung und ihren Möglichkeiten deutlich limitierter aufgestellt als die Oberfräse. Sie besteht zum einen aus der Gussplatte, die rechteckig oder rund geformt ist und den Boden der Maschine darstellt. Diese ist von unten so verarbeitet, dass sie gut über ein Werkstück gleiten kann und verfügt über eine runde Öffnung. Durch diese ragt die Frässpindel heraus. Eine Kantenfräse kommt mit einem deutlich schwächeren Motor daher als eine Oberfräse. Tatsächlich reicht hier für Hobbyhandwerker bereits eine Motorleistung von maximal 700 Watt.

Die Kantenfräse – die gern auch als Tischfräse bezeichnet wird – wird genutzt, um Kanten zu glätten und zu säumen. Aber auch die Schaffung kleiner Verzierungen und filigraner Zierprofile in Platten, Leisten und an Tafeln kann mit einer Kantenfräse vorgenommen werden.

Die Kantenfräse ist deutlich kleiner als ihr großer Bruder – die Oberfräse. Grundsätzlich lässt sich nahezu jeder Oberfräse mit dem richtigen Aufsatz auch als Kantenfräse einsetzen. Die Kantenfräse bringt allerdings den Vorteil mit, dass sie deutlich leichter und damit viel handlicher ist als die Oberfräse. Aus diesem Grund wird sie vor allem von Hobbyhandwerkern der Oberfräse gern vorgezogen – zumindest, wenn es um die saubere und schnelle Bearbeitung von Kanten geht.

Tipp

Wer viel und regelmäßig mit Holz arbeitet, sollte darüber nachdenken, ob sich für ihn nicht beide Typen von Fräsen lohnen. Denn wo die Oberfräse deutlich vielseitiger in der Anwendung ist, bietet die Kantenfräse für ihre Anwendungsgebiete ein deutlich leichteres und schnelleres Arbeiten. Wenn Sie sich dafür entscheiden, beide Fräsen anzuschaffen, lohnt es sich, einen Vergleich unter den Herstellern anzustellen. Bei vielen Herstellern ist es so, dass Sie die Fräsköpfe der Kantenfräse bei Bedarf auch in der Oberfräse verwenden können.

Fazit

Für den Holzverarbeitungsprofi ist die Oberfräse ein nicht aus dem Arbeitsalltag wegzudenkendes Elektrowerkzeug. Sie ist der Allrounder, mit dem die verschiedensten Fräsarbeiten ausgeführt werden können. Die Kantenfräse hingegen ist eher der filigranere Partner, mit dem es leichter fällt, einzelne Holzarbeiten wie das Fasen von Kanten oder das Setzen kleiner Applikationen und Zierprofile vorzunehmen. Wer über ausreichend Übung – und die richtigen Fräsköpfe – verfügt, kann die Arbeit einer Kantenfräse auch mit einer Oberfräse erledigen. Die Kantenfräse ist dabei nur deutlich leichter, handlicher und für den Hobbyhandwerker einfacher zu bedienen.


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